Übersicht

2021 feiert Fürfeld 500 Jahre Reformation.

1521 wurde in Fürfeld die alte Bonfelder Kaplanei zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Martin Germanus aus Cleebronn war ihr erster Pfarrer. Mit ihm sind die Anfänge der reformatorischen Predigt für das Jahr 1521 bezeugt. Philipp von Gemmingen hatte den jungen Geistlichen berufen, 1522 schickte er ihn zum Studium an die Universität in Wittenberg.

Geschichte

Fürfeld im Besitz der Herren von Helmstatt

Schloss Fürfeld

Im Jahr 1427 wurde Peter von Helmstatt vom Hochstift Worms mit den drei Burgen in Fürfeld, Bonfeld und Treschklingen belehnt. Die Edelknechte von Fürfeld hatten unterdessen keinen nachweisbaren Besitz mehr am Ort, ihre Spuren verlieren sich im Zabergäu mit Kilian von Fürfeld, der letztmals in einem Urfehdebrief von 1471 erwähnt wird. Die Kapelle des Ortes ersetzte man im 15. Jahrhundert unter Reinhard von Helmstatt durch einen spätgotischen Neubau. Diese dem heiligen Kreuz geweihte Kirche wurde nur von einem Kaplanversorgt, sie war Filiale der Pfarrkirche in Bonfeld. 1496 beklagte sich der Pfarrer von Bonfeld, dass die Bewohner aus Fürfeld die Mutterkirche nur selten besuchten und dass der Ritter den Kaplan zum Predigen ermuntere.[3] Reinhards Söhne, Sebastian und Burkhardt von Helmstatt, verkauften am 21. April 1516 ihren Fürfelder Besitz an die drei noch unter Vormundschaft stehenden Söhne Dietrich († 1526), Wolf († 1555) und Philipp († 1544) des 1515 verstorbenen Pleikard von Gemmingen.

Reformation unter Philipp von Gemmingen

Blick auf das Schloss

1518 fiel Fürfeld durch Erbteilung an Philipp von Gemmingen, der spätestens seit 1520 der Lehre Luthers zugetan war. 1521 wurde die Kaplanei in Fürfeld zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Der von Philipp berufene Martin Germanus war ihr erster Pfarrer. Mit seiner Berufung sind die Anfänge der reformatorischen Predigt in Fürfeld schon für das Jahr 1521 bezeugt.[4] Philipp war es auch, der das burgartige Rittergut von 1519 bis 1535 zum Schloss Fürfeld umbauen ließ. Nach seinem Tod fiel Fürfeld 1544 an seinen Neffen Pleikard von Gemmingen (1536–1594). Dieser ließ das Schloss weiter ausbauen und erlangte 1593 die Hohe Gerichtsbarkeit über den Ort. Das Alte Pfarrhaus in Fürfeld datiert auf 1589. Der Ort war bis ins 20. Jahrhundert praktisch rein evangelisch.

 

 

 

Württembergischer Grenzort

Die Ortsmitte von Fürfeld um 1820, Zeichnung von Christoph Ludwig Yelin

Die Oberlehensherrschaft des Bistums Worms endete im Jahr 1802. Fürfeld fiel nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt und durch die Rheinbundakte von 1806 als selbstständiger Ort an das Königreich Württemberg, in dem es zunächst zum Oberamt Kirchhausen, ab 26. April 1808 zum Oberamt Heilbronn gehörte. Da Fürfeld württembergischer Grenzort zum Großherzogtum Baden war, wurden außerhalb der mittelalterlichen Siedlungsgrenzen ein Zollamt und eine Poststation unterhalten.

 

Brunnen in Fürfeld

Das Fürfelder Zollamt entfiel nach der Errichtung des Deutschen Zollvereins, das Zollgebäude wurde zum Gasthof umgenutzt und ist heute noch als Gasthof Traube erhalten. Mit der Aufnahme der Neckardampfschifffahrt und dem Bau von Eisenbahnverbindungen sank der Straßenverkehr in Fürfeld zur Bedeutungslosigkeit ab. 1860 wurde die Poststation ins stärker bevölkerte benachbarte Bonfeld umquartiert. Das alte Posthaus wurde 1870 zum Pfarrhaus, einige der zur Poststation gehörenden Grundstücke wurden 1871/73 mit der neogotischen evangelischen Kirche überbaut.

Die heutige Kirche in Fürfeld

Die Evangelische Kirche in Fürfeld, einem Stadtteil von Bad Rappenau im Landkreis Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg, wurde 1871/73 im Stil der Neogotik erbaut.

Die evangelische Kirche Fürfeld ist eine einschiffige Hallenkirche mit einem nach Osten angebauten Chor und einem aus dem Westgiebel hervorragenden Turm. Das Kirchengebäude hat eine Länge von 22 Metern und eine Breite von 14 Metern. Im Innenraum sind 630 Sitzplätze vorhanden, von denen sich rund 190 Plätze auf der Empore befinden.

Vorgängerbau

Eine Kirche in Fürfeld bestand bereits seit dem 13. oder 14. Jahrhundert und war dem Heiligen Kreuz geweiht. Durch den Einsatz des Fürfelder Ortsherren Philipp von Gemmingen für die Sache der Reformation wurde Fürfeld bereits 1521 mit der Berufung des evangelischen Pfarrers Martin Germanus reformiert. Die alte Kirche befand sich in der Ortsmitte neben dem alten Pfarrhaus und war im 18. Jahrhundert stark baufällig, so dass Überlegungen zu einem Neubau und die Gründung eines Kirchenbaufonds bereits auf die 1780er Jahre zurückgehen. Die Baupläne zogen sich jedoch mehrere Jahrzehnte hin, da die Finanzierung eines Neubaus zunächst unklar war. Durch die hohen Abgaben der Kriegsjahre 1806 bis 1814 waren die Gemeindefinanzen desolat. Die Gemeinde versuchte außerdem in einem von 1841 bis 1845 geführten Prozess vor dem Zivilsenat des königlichen Gerichtshofs in Esslingen, die Baulast auf die Freiherren von Gemmingen als Kirchenpatrone und Grundherren abzuwälzen, was jedoch vom Zivilsenat abgelehnt wurde. Unterdessen musste 1841 der Turm der alten Kirche wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Ab 1843 war die Pfarrstelle nur noch mit einem Pfarrverweser besetzt, so dass das alte Pfarrhaus 1844 an die Gemeinde verkauft und zu einem Armenhaus umgebaut wurde. Erst 1869 war ein Platz für einen Kirchenneubau gefunden. Die alte Kirche wurde nach Fertigstellung des Kirchenneubaus an einen Landwirt verkauft, 1874 zu einer Scheune umgebaut und um 1972 abgerissen.

Grabmale aus der alten Kirche beim Schloss Fürfeld

Grabmale aus der alten Kirche beim Schloss Fürfeld. Einige historische Grabmale und sonstige Steine aus der alten Kirche wurden ins Schloss Fürfeld verbracht.

Kirchenneubau 1871/73

Lageplan der Kirche und der östlich anschließenden Gebäude von 1896

Nachdem man zunächst erwogen hatte, eine neue Kirche auf dem Platz beim Gasthaus Ochsen zu erbauen, erwarb die Gemeinde am 7. Dezember 1869 das ehemalige Postgebäude an der Heilbronner Straße außerhalb des Ortskerns. Zum Postanwesen gehörten eine Scheune, Feldflächen sowie ein Steinbruch. Das Postgebäude war 1849 nach Brand neu errichtet worden und diente ab 1870 als Pfarrhaus. Die Kirche wurde auf den umliegenden Freiflächen erbaut, wobei die zum Bau der Kirche benötigten Steine teilweise in dem zugehörigen Steinbruch gewonnen wurden. Die Pläne für die Kirche entwarf der Heilbronner Baurat Albert Barth. Den steinernen Turmhelm sowie eine neogotische Kanzel entwarf Paul Burkhardt. Der Kirchenbau begann 1871 und war mit der Einweihung des Bauwerks im Oktober 1873 abgeschlossen.

Glocken

Die Kirche besaß ursprünglich drei Glocken. Zwei Glocken waren von der alten Kirche übernommen worden, eine weitere wurde bei derGlockengießerei Bachert in Kochendorf gegossen. Die Orgel der Kirche erbaute Christoph Ludwig Goll in Kirchheim unter Teck. Zahlreiche Ausstattungsgegenstände der Kirche wurde von der Familie von Gemmingen gestiftet. Der Heilbronner Oberamtsrichter Karl von Gemmingen stiftete ein Glasfenster für den Chor, das die Geburt Christi zeigt, sowie verschiedene Geräte für das Abendmahl. Ernst und Franz von Gemmingen stifteten Taufgeräte, weitere Angehörige der Familie stifteten weiteres liturgisches Gerät.

Die Glocken mussten im Ersten Weltkrieg abgeliefert werden, auch die danach als Ersatz beschafften Glocken fielen 1940 im Zweiten Weltkrieg der Einschmelzung zum Opfer.

Umbau nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche durch mehrere Umbauten stark vereinfacht. Anstelle des aus Sandsteinmaßwerk gebildeten Turmhelms erhielt der Kirchturm 1951 ein ziegelgedecktes Dach nach Plänen von Hannes Mayer, außerdem wurden damals die einst außen an der Kirche befindlichen Fialen entfernt und drei neue Glocken beschafft. 1961/62 wurde die Kirche innen renoviert, wobei nahezu die gesamte neogotische Innenausstattung (Emporen, Kanzel, Holzgewölbedecke, Taufstein) entfernt wurde. Im Zuge dieser Renovierung erhielt die Kirche drei neue Chorfenster von Peter Jakob Schober sowie eine zweimanualige Orgel mit 14 Registern von Walcker.

Pfarrhaus und Gemeindesaal

1970 wurde neben der Kirche ein neues Pfarrhaus errichtet, woraufhin das alte Pfarrhaus verkauft wurde.

Kirchsaal

Im Jahr 1987 wurden in der Kirche ein Gemeindesaal, Teeküche und Toiletten eingebaut.

Christus-Relief

1988 erhielt die Kirche ein Christus-Relief aus Terrakotta und Holzbohlen von Reinhard Siecke.

Turmrenovierung 2004

Die letzte größere Renovierung an der Kirche fand 2004 statt, als der stählerne Glockenstuhl gegen einen hölzernen ersetzt und zwei weitere Glocken von der Glockengießerei Bachert aufgehängt wurden.

Chorfenster

Den Chor der Kirche schmücken drei Glasfenster von Peter Jakob Schober, die Szenen aus Altem und Neuem Testament zeigen. Das alte Chorfenster mit der Geburt Christi wurde in ein Fenster an der Nordseite der Kirche eingesetzt.

Altes Chorfenster

Das alte Chorfenster mit der Geburt Christi wurde in ein Fenster an der Nordseite der Kirche eingesetzt.

Literatur

  • Hannes Wössner: Evangelische Kirche Fürfeld. In: Matthias Treiber (Hrsg.): Die evangelischen Kirchen im Kirchenbezirk Heilbronn. Evangelischer Kirchenbezirk Heilbronn, Heilbronn 2005, S. 14–15
  • Fürfeld - Aus Vergangenheit und Gegenwart des ehemaligen reichsritterschaftlichen Städtchens. Stadt Bad Rappenau, Bad Rappenau 2001, ISBN 3-929295-77-6

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Kirche_F%C3%BCrfeld